Zwei "Damen" trampen durch Kanada

Nachdem Mama und ich uns letzten Donnerstag in Toronto trafen, sind wir am Montag endlich losgetrampt. Unser Couchsurfing Host Oliver brachte uns mit unserem ganzen Gerümpel an eine Tankstelle hinter der Stadt.
Katrin hatte mir noch ein "Flyingtent", Wasserfilter, eine Solarlampe und einen Sitz mitgebracht. Mein Rucksack ist damit so schwer, dass ich mir auch so einen praktischen Untersatz zugelegt habe.... Aber dazu kommen wir später. ;)

Da standen wir nun plötzlich:
NEBEN der Tanke und VOR unserem großen Mutter-Tochter-Abenteuer.
Wir wollen die nächsten Wochen einmal quer durchs Land trampen - was bedeutet, dass noch über 4000 km auf dem "Trans-Canada-Highway" vor uns liegen.

"Irgenwie komm ick mir nen bisschen blöde vor, so als alte Schachtel."

Und so reise ich mit meiner alten Schachtel und zwei großen Rucksäcken durchs wunderschöne Kanada und finde es ganz großartig dieses Abenteuer mit meiner Mum erleben zu dürfen....

Nachdem wir von einem Brückenbauern und Jack mitgenommen wurden, wollte es garnicht mehr so richtig vorran gehen.
Jemand drückte mir sogar 4 Dollar in die Hand mit den Worten:
"Ich hab zwar keinen Platz, aber hier haste nen bisschen Kleingeld." Na danke. Aber "Danke!"

Ich hatte mich eigentlich schon darauf eingestellt, dass wir nun an diesem Rastplatz unweit von Toronto wohnen müssten. Niemand schien uns mitnehmen zu wollen und da ich den halben Tag damit zugebracht hatte meinen Rucksack aus- um- und einzuräumen, war es auch schon gewaltig spät geworden....

Bis Bob und Brodie kamen, um uns zu retten.

Mama saß hinten bei Brodie und ich vorne bei Bob. Bob war einfach der Beste!
Und so wie er uns gerettet hatte, retteten wir ihn:
Seine Frau war im März verstorben und erst jetzt hatte er angefangen seinSchicksal zu verarbeiten.
Wir verbrachten 4 Tage mit Bob der kurzerhand beschloss uns ein paar Tage zu begleiten.
Auf dem ersten Zeltplatz kamen die Ranger und teilten uns mit, dass sie ein paar Stunden zuvor einen Bären auf unserem Platz gesehen hatten.
Das war die erste Nacht in unseren neuen Hängezelten.
Doch der Bär kam nicht - dafür der Regen...

Und das ausgerechnet an dem Tag an dem wir in "Pancake Bay" pausieren wollten. Aber wir hatten Bob, Lagerfeuer und DVD's im Van.
Morgens gab es Kaffee und Frühstück und unsere Hängematten sind echt gemütlich!

Der Abschied von Bob verlief nicht ohne Tränen.
Außerdem war alles nass und kalt und die Autos waren voll, oder fuhren in die falsche Richtung! Ich fing an die Idee einmal durch Kanada zu trampen echt bescheuert zu finden, da mir jetzt erst bewusst wurde, dass der kanadische Highway eher einer brandenburger Landstraße gleicht, als der Autobahn.

SO:

Sieht's hier aus...

Und das fast die ganze Zeit.
Manchmal kommt ein LKW oder ein Wohnmobil an uns vorbei gerauscht....
Alles was man sieht ist Wasser, Wald und Felsen.
Und ich liebe es!
Der Westen soll ja noch viel schöner sein...

Letzte Nacht schliefen wir an einem Fluß bei "Wawa".
Da trafen wir auf Moritz und Marie, die seit 4 Monaten durch Kanada radeln.
Moritz kommt aus Stuttgart und Marie aus Polen. Mama ist ganz froh mal wieder deutsch zu quasseln und freut sich über ihren Morgenkaffee...
Marie fand es sehr witzig, als wir mit unseren Roll-Bagpacks um die Ecke kamen:
"Zwei Damen reisen durch Kanada, oder wie?!".

Endlich kommt auch wiededer die Sonne raus!
Das heißt: Sachen trocknen, Morgenbad im Fluß und weiter geht's!

Wurden nach nichtmal 10 Minuten von Henry mitgenommen, der uns erst in Winnie Puuhs Geburtsstadt "White River" mitnimmt und uns dann nach 400km mit in sein Motelzimmer einläd!!
Im TV läuft eine Elvis-Dauerwerbesendung und im Froster hinterm Haus liegt der erste Schwarzbär, den wir in Kanada zu gesicht bekommen haben.
(DIE ESSEN HIER BÄREN!!!!)
Überhaupt erfüllt Kanada jedes Klischee....
Wir sind seit Tagen am "Lake Superior" unterwegs und sehen nichts, außer Wälder und Wasser.
Kanada kann man kaum beschreiben - Kanada muss man erleben:
Diese Vielfalt aus Grüntönen, kleine Inseln auf Tief-blauen Seen, ein Blumenmeer unter riesigen grauen und roten Felsblöcken am Wegesrand....
Und das ist nur der Anfang, von allem das uns noch begegnen wird...
Wenn ich so auf die Landkarte gucke fühle ich mich manchmal wie auf dem Atlantik:
"Was?! DA sind wir erst?!Aber wir sind doch heute so lange gefahren...." Kanada ist einfach riesig. Dann sehe ich die wunderschöne Natur und wie glücklich meine Mama über diese Reise ist...

FAZIT:

Mit Mutti reisen ist cool, Kanada ist wunderschön UND....

TRAMPEN IN KANADA IST EIN TRAUM!!!

Die Leute sind freundlich, und wenn dich jemand mitnimmt, dann gleich mindestens 300 km, da die meisten Ortschaften ohnehin 150 km auseinander liegen.
Man bekommt auch gerne einen Kaffee ausgegeben und kann unproblematisch im Freien übernachten (wenn man nicht zu jemandem Nachhause oder ins Motel eingeladen wird...)