Cabarete meine Liebe....

 

Eigentlich würde ich ja gerne noch ein wenig in Cabarete bleiben, um meine Reise zu verarbeiten und zu mir zu finden...
„But Pia, You know that 'Inner-peace' comes from 'inside'?!“

Vielleicht hat mich diese Frage davon überzeugt weiter zu reisen.
Ich habe mich so sehr in diese Insel verliebt, dass ich gar nicht mehr weg will.
Denn irgendwie liebt diese Insel  mich auch….

 

Ich habe mir so viele Gedanken gemacht, nachdem ich keinen Job gefunden fand und das mit dem Kuchen-Verkauf auch nicht so richtig laufen wollte. Ich war fast einen Monat lang in Cabarete, also an einem einzigen Ort - was beim Reisen sonst gar nicht meine Art ist...

Ich habe mich einfach in Cabarete, dieses kleine Surfer-Kaff, und seine Menschen verliebt...
Nachdem Jonny und ich auf der Horror-Finka waren kam ich ein paar Tage bei Sascha unter und wohnte dann bei Ariv, den ich am Anfang meiner Zeit kennengelernt hatte.
Irgendwie wurde ich da aufgefangen und alle kümmerten sich rührend um mich…
„Your friends will always take care of you.“, sagte die nette Engländerin die jeden Sonnatg neben mir im Ojos beim Kunstmarkt Kuchen verkaufte.
Und es stimmt: 3 Wochen lang haben sich Menschen um mich „gekümmert“, die mir sehr ans Herz gewachsen sind.

 

 

Wohin führt mich diese Reise?!
Diese Reise „ohne Geld“.
Ich bekam schon langsam Panik, wie ich von dieser Insel runter kommen soll, da bekam ich eine Nachricht von Elad.
Er sagte er sucht seit ein paar Wochen verzweifelt nach einer Crew Richtung Florida und wenn ich mit ihm helfen würde, seine 9-meter-Nusschale sicher nach Cuba zu schippern, würde er für meine Verpflegung UND für mein Visa aufkommen!
Ich finde diesen Deal wunderbar! Auf den zwei Booten auf denen ich bisher war, waren wir mindestens zu Viert und so richtig segeln habe ich nicht gelernt…

Er macht Funk-Übungen mit mir- falls er über Bord geht -, erklärt mir sein Boot und hat mir drei Bücher gegeben.
Morgen geht es dann schon los. Wir segeln an der Küste der Dominikanischen Republik entlang, vorbei an Haiti, bis nach Cuba! WOW! Was für ein Abenteuer! Ich bin so dankbar, dass ich das alles erleben darf.

 

 

Aber warum mache ich diese Reise eigentlich?!
Geht es wirklich darum die Welt zu sehen?!
In Berlin fühlte ich mich oft unter Druck „etwas aus meinem Leben machen zu müssen“.
Aber was bedeutet das denn eigentlich "etwas aus seinem Leben zu machen"?!

Ich denke, dass es egal ist WO auf dieser Welt ich mich befinde, solange ich selbst zufrieden bin und dazu beitrage diese Welt etwas bunter und fröhlicher zu machen.
Andere Menschen glücklich zu machen, zu helfen wo ich kann...

An meinem letzten Tag in Cabarete brachte ich ein paar Sachen zu einem kleinen Secondhandshop und verabschiedete mich von einem Menschen den ich nur flüchtig kannte, an dem ich fast jeden Tag vorbei gelaufen war und ihn immer freundlich gegrüßt hatte.

Jeden Tag sitzt er da an der Ecke und verkauft sicher nur wenige Kleider an Touristen.
Ich umarmte ihn und wünschte ihm alles Gute.
Ihm stiegen Tränen in die Augen und ich spürte wie unglücklich dieser Mensch sein musste und wie viel ihm diese Umarmung in diesem Moment bedeutete und da hielt ich ihn noch etwas länger in den Armen, so wie mich Menschen, die ich kaum kannte in den dunkelsten Stunden meiner Reise aufgefangen hatten…
Denn es ist nicht immer einfach dauerhaft auf Reisen zu sein – und vor allem ohne Geld.
Wahrscheinlich gibt es viele Menschen die kein Verständnis dafür haben, dass ich ohne Geld reise.
Und was ist eine Umarmung wert?!

Auf Guadeloupe hatte ich einen Job gefunden und wurde auf dem Boot in die Dominikanische Republik bezahlt, doch hier war es einfach nicht möglich einen Job für mich zu finden.
Und trotzdem ging es mir immer gut. Ich hatte immer einen Schlafplatz und etwas zu Essen und hatte nie das Gefühl jemandem „auf der Tasche zu liegen“. (was wohl daran lag, dass die Menschen die ich traf mich GERNE bei sich aufnahmen, oder mich zum gemeinsamen Essen einluden…)
Ich verkaufte meine Externe Festplatte und hatte dann wenigstens ein paar Dollar…

Ich habe mich in den letzten 2 Wochen nicht aus Cabarete weg bewegt, da ich hier ein Zuhause gefunden habe, immer mehr Menschen kennenlernte und es genoss so etwas wie Alltag zu haben.
Eine „Weltreise“ zu machen klingt zwar sehr romantisch, aber ist auf Dauer auch sehr anstrengend…

Die letzten 2 Wochen waren vor allem eine Reise zu mir selbst und ich habe viel über mich selbst und über zwischenmenschliche Beziehungen gelernt.

Am liebsten wäre ich noch etwas in dem kleinen Surferort Cabarte geblieben, aber wenn die Gelegenheit sich bietet nach Cuba zu segeln, dann sollte man sie beim Schopfe packen und ins Abenteuer tauchen!

Nun weiß ich, dass ich in diesem Moment das maximale aus meinem Leben mache: ICH LEBE ES!
Ich tauche in Welten ein von denen ich nicht einmal ahnte, dass sie existieren.
Alles was ich erlebe ist so viel anders, als alles was ich in meinem bisherigen Leben erleben durfte.
Vor ein paar Monaten dachte ich noch, dass die Welt immer kleiner wird, je mehr man reist und heute fühle ich, dass ich am liebsten 5 Leben auf einmal leben wollen würde, um die ganze Schönheit dieser Welt greifen zu können.

Und plötzlich macht alles einen Sinn: Innerer Frieden kommt von Innen!
Irgendwann habe ich vielleicht auch eine pinke Bar mit Wirpool, verdiene vielleicht nicht viel, aber habe immer lustige Menschen um mich....

DANKE!!!!!!!