Wer hat Angst vorm schwarzen Mann ?!

 

„KEINER! KEINER!“

 


...singt in mir eine Stimme, während ich mich den neugierigen, fast aufdringlichen Blicken der Einheimischen ausgesetzt fühle.
Und ich bemerke, dass ich Angst habe.
Ich schäme mich für diese Angst, wenn ich an die Momentane Situation in Deutschland denke.
Ich würde lügen, wenn ich behauptete ich hätte keine Vorbehalte gegenüber Farbigen.
Zumindest wenn ich als weiße Frau mit meinem großen Rucksack durch die Straßen „Santo Domingos“ in der Dominikanischen Republik laufe.

 

 

 

 

Fast jeder Mann sieht mich an. Ihre Blicke sind neugierig, lüsternd, interessiert.

 

Manchmal wird gepfiffen, manchmal kommt ein Luftkuss geflogen.

 

Hupende Taxis und Mopeds wollen mich mitnehmen und hören nicht auf zu hupen.
Die Luft ist stickig, ich bin genervt.

 

Oft werde ich angesprochen und verstehe wenig.
Ich habe Angst bestohlen zu werden - oder Schlimmeres.
Ich frage mich was sie in mir sehen:
Einen wandelnden Geldsack, ein süßes blondes Mädel, oder ein bisschen von beidem?!

Woher kommt diese Angst vor dem Unbekannten?!
Ich bin doch in einem toleranten Elternhaus aufgewachsen, schon als Kind viel mit meinen Eltern gereist, bin durch viele Länder Europas getrampt, durch Thailand und Indien gereist und hatte keine Angst.
Hier ist mir Alles fremd und Vieles wirkt bedrohlich.
Ich schäme mich dafür Angst vor Farbigen zu haben, gab es doch in meiner Heimatstadt das erste Opfer Rechtsextremer Gewalt in Deutschland nach der Wende.
Ich schäme mich Angst vor Farbigen zu haben, wo ich doch aus einem Land komme, dass zwar viele Flüchtlinge aufnimmt, sich diese aber nicht sicher fühlen können.
Ich schäme mich, dass ich Angst vor Farbigen habe, wo ich doch aus einem Land komme in dem es täglich Übergriffe gegen Ausländer gibt und Asylantenheime angezündet werden (und dafür schäme ich mich noch mehr).

Mir war diese Angst nicht bewusst. In Deutschland habe ich sie nicht. Aber hier ist das anders.
Ich wurde schon in Deutschland vor der Dominikanischen Republik gewarnt. Und auch hier werde ich von Einheimischen davor gewarnt zB im Dunkeln auf der Straße zu sein.
Ich kam Nachts in Santo Domingo mit dem Bus an. Nach wenigen Minuten hatte sich eine Traube Männer um mich gescharrt, jeder wollte mich irgendwie in sein Taxi zerren und legte mir nah niemandem von den anderen Männern zu trauen.
Ich hatte Angst. Und diese Angst war begründet.
Nach ein paar Minuten kam die Polizei angefahren und nahm mich mit zur Polizeiwache und rief von dort aus „ein sicheres Taxi“ für mich an.

Leider leben wir in einer Welt in der man als Ausländer nicht immer sicher ist.
Und trotzdem stelle ich fest, dass ich hier warmherzig aufgenommen werde.

Ich versuche mit den Menschen hier zu reden – so gut es eben geht.
Ich versuche ihre Kultur zu verstehen und versuche ihnen meine zu erklären.

Und plötzlich sind da ein paar Augen und ein lachender Mund und ein Typ der genauso alt ist wie ich und dieser „bedrohliche Fremde“ ist plötzlich „Andy“. Andy hat Träume und Ängste- genau wie ich.
Er hat eine Familie die weit weg wohnt, für die er hart arbeitet, um ihnen Geld zu schicken.
Er liebt Musik und das Meer und hätte gerne ein Auto. Er sagt ich solle aufpassen, aber so gefährlich ist es hier nicht.
Er sagt er würde gerne nach Europa reisen und ich frage mich wie es ihm in Europa erginge…
Ob er auch durch die Straßen laufen und Angst haben würde…?! (und wenn ja, ob diese Angst begründet wäre...)

Ich möchte mich von meinen Vorbehalten befreien und darum mache ich diese Reise.
Ich mache diese Reise aber auch für all die Menschen die noch mehr Angst haben als ich.
Ich mache diese Reise für meine Kinder und alle die nach mir kommen, um ihnen eines Tages sagen zu können:

„Diese Welt ist wunderschön, pass ein bisschen auf dich auf, aber habe Vertrauen, dass es sehr, sehr viele gute Menschen da draußen gibt und lass dich nicht von deinen Ängsten einsperren.“

Es war mir wichtig dieses Gefühl mit euch zu teilen, weil ich glaube, dass es ganz vielen Menschen ähnlich geht wie mir… Es ist okay Angst zu haben: unsere Ängste beschützen uns.
Aber es ist wichtig diese Ängste zu überprüfen und zu hinterfragen.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Scarlet (Freitag, 12 Mai 2017 18:18)

    Heyhey, tolle Website und super ehrlicher Beitrag! Erinnert mich sehr an meine Ankunft in Marokko. Alle sagten mir ich solle vorsichtig sein beim trampen, ein Bus sei doch auch nicht so teuer. Aber darum ging es mir ja gar nicht, ich wollte trampen, wollte die Menschen kennenlernen. und doch gab es die ein oder andere Situation, in der ich plötzlich Angst bekam....
    LG Scarlet