Wie fühlt es sich an als Frau „ohne Geld“ zu reisen?!

 

Ich sitze am Strand von „Boca Chica“, dem Nachbarort von Santo Domingo in der Dominikanischen Republik.
Über mir Palmen und ein Sonnenschirm, vor mir weißer Sand und blaues Meer, neben mir ein Cappuccino mit Milchschaum und Kakaopulver.
Die letzten Tage fühlte ich mich reich und sorglos:
Aneta und ich bekamen vom Besitzer unseres Bootes 2 Nächte im Luxushotel spendiert- wir sollten es sicher und schön haben, im gefährlichen "Santo Domingo".

Danach kamen wir eine Nacht über Couchsurfing bei Luis unter: cooler Typ aus Kalifornien, mitte 30, der hier an einer internationalen Schule unterrichtet, und ein Zimmerchen für uns frei hatte.

 

 

Es ist mir lieber in einem „richtigen Zuhause“ zu schlafen, als im Hotel oder Hostel.
Man lernt die Einheimischen kennen und bekommt so Einblicke die vielen Touristen verborgen bleiben. Außerdem ist Couchsurfing für lau. Also fast.
Natürlich kann man kostenfrei bei den Leuten auf dem Sofa, Bett oder Boden schlafen.
Aber man sollte sich nicht glauben, dass man sich kostenfrei durchfressen kann. ;)

Ich möchte ja auch etwas zurückgeben, wenn man bei jemandem kostenfrei wohnen kann (zB für meinen Gastgeber kochen...)
Darum habe ich auch innerhalb von wenigen Tagen habe ich 100€ von meinen verbleibenden 250 ausgegeben und langsam wird’s wieder knapp.


Immer wenn es knapp wird überkommt mich eine Art Panik. Weil ich vergesse zu vertrauen.
Ich bin mit 80€ aus Berlin los gereist, mit dem Ziel einmal um die Welt zu reisen.
„Das klingt wie ein klein-Mädchen-Traum.“, hatte ein Bekannter gesagt.
Manch einer sagt ich wäre naiv, andere sagen ich wäre mutig.
Vielleicht bin ich ein bisschen von beidem. Oder die Naivität ist keine Naivität, sondern Vertrauen in die Menschlichkeit und Vertrauen in mich.

Natürlich gibt es auch Ausnahmen. Alleine als Frau zu reisen (besonders ohne Kohle) ist etwas anderes als als Mann alleine zu reisen: du kannst nicht überall draußen schlafen und du kannst vor allem nicht jedem vertrauen, der dir einen Schlafplatz anbietet.

Ich erinnere mich als wäre es gestern gewesen:
Ich reise alleine durch Griechenland, Thessaloniki am Nachmittag. Bin auf dem Weg ins Internetcafé, mein Couchsurfhost meldet sich nicht und ich habe kein Geld für ein Hotel.
Da spricht mich so ein Typ an, ob ich einen Kaffee mit ihm trinken würde?! Er sei auch auf reisen und würde gerne meine Geschichte hören.
Ich entgegne ich hätte keine Zeit, da ich dringend einen Schlafplatz übers Internet finden müsse.
„Kein Problem!“ Dann eben Internet und Kaffee in der Lobby seines Hotels.
Warum auch nicht?! In der Lobby kann ja nichts passieren.
Er ist sehr nett und am Ende sitzen wir dann doch in seinem Zimmer.
Er bietet mir an die Nacht mit im Hotel zu schlafen. Er hätte für ein Doppelzimmer bezahlt und wir könnten die Betten auseinander schieben, uns Abends die Stadt angucken und am Morgen könnte ich entspannt meinen Bus nach Istanbul nehmen.

6 Stunden später sitze ich verheult auf der Straße, da mich der Typ betrunken in sein Zimmer eingeschlossen und versucht hatte mich zu küssen und irgendwann auf mir lag. Irgendwie hatte ich es geschafft ihn von mir weg zu stoßen, das Zimmer aufzuschließen und raus zu rennen.
Ich habe meinen Rucksack noch in dem Hotel in dem ich einen Abend zuvor geschlafen hatte und der deutschsprachige Hotelbesitzer sagt zu mir „Tja Mädchen, was denkst du denn was passiert wenn dir jemand einen Schlafplatz in seinem Hotelzimmer anbietet?! So läuft die Welt eben!“

Keine Aufmunternden Worte. Gar nichts. Nur ein „So läuft die Welt eben!“
Tränen rinnen mir übers Gesicht. Ich will nicht glauben, dass „die Welt eben so ist!“
Es ist mitten in der Nacht, ich weiß nicht wohin. Stehe völlig unter Schock.
Plötzlich zwei Nachrichten auf meinem Handy: 1. Der Typ von Starbucks der mir am Vorabend geholfen hatte eine günstige Unterkunft zu finden, fragt ob ich mit ihm was Trinken gehen will. 2. Eine Nachricht von meinem Couchsurfhost...
Der Starbucksdude kommt vorbei, ruft für mich den Couchsurfhost an und erklärt ihm auf griechisch wo wir sind. Ich werde sofort mit dem Auto abgeholt. Kurz darauf sitze ich mit Pizza und Bier auf dem Sofa und bin umgeben von super netten Leuten.
„So läuft die Welt eben.“

Ich kam mit 5€ in der Karibik an.
Und ich kann weder behaupten, dass ich einen Tag hätte hungern müssen, noch das ich irgendjemandem auf der Tasche lag.

Elad, der Israeli der mich mit über den Atlantik nehmen wollte fragte mich warum er so viele Deutsche treffe, die ohne Geld reisen. Ob es uns denn „schlecht ginge“?! Und ob ich nicht vorher hätte arbeiten können?!

Die Antwort darauf ist einfach: deutsche Touristen gibt es (fast) überall. Also ist es einfach als junger Mensch der deutsch und englisch spricht Arbeit zu finden (gehe ich mit meiner mutig-naiven-Art einfach mal von aus…)

Ich finde es schön länger an einem Ort zu bleiben, zu arbeiten, Menschen kennenzulernen.
Es fühlt sich gut an auf die Frage wann ich Nachhause fliege zu sagen „Gar nicht. Ich suche nach Arbeit und bleibe einen Monat hier. Vielleicht auch zwei.“
Mein Spanisch wird jeden Tag ein bisschen besser und ich werde als Reisende wahrgenommen und nicht als Touristin.

Manchmal ist es hart nicht zu wissen wo man am Abend schläft, manchmal ist es hart nicht zu wissen, ob man tatsächlich bald einen Job findet.
Als ich in der Karibik ankam konnte die schönsten Strände nicht genießen, weil ich mir Sorgen machte, wo ich denn wohnen könnte, was ich essen sollte und wo ich Geld für meine weitere Reise auftreiben könnte.
Ein paar Tage später hatte ich einen Job im Hostel mit Unterkunft und Verpflegung und alles war gut.

Natürlich wäre es leichter ich hätte 10'000€ auf dem Konto und müsste mir keine Gedanken machen, aber sein wir doch mal ehrlich: Ist es mit viel Geld tatsächlich „leichter“?!

Ich habe keine 10000€ auf dem Konto und habe trotzdem alles was ich brauche.
Vielleicht ist es frisches Obst vom Straßenhändler, statt teure Restaurants.
Ein Bad im Meer, statt im Hotelpool.
Eine Nacht am Strand unter den Sternen, statt im Bett.
Ein Kleidchen für 1€ aus einem Secondhandshop, statt für 50 aus der Boutique.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 




Schlafplatz am Strand: 0€

 

 

Bad im größten "Pool" der Welt: 0€



Kokosnuss frisch voner Palme (+ selbstgeschnitzter Löffel) : 0€


Süßes Top ausm Secondhandshop: 1€


 

Ein großer Teller super leckeres Essen im lokalen Restaurant: 3€
(haha: "Mach doch jetzt kein Foto-ich bin hier beschäftigt!"
Auf dem Teller: Halumi, Bananenpüree, Kartoffelpüree, Hühnchen, Fisch, Backbanane...)


Leckeres Obst-Frühstück im Park:
billig.

(Ich glaube ich werde mich hier hauptsächlich von Obst ernähren!!! Sooo lecker!)


Eine Fahrt mit den "Öffis" kostet hier nur ein paar Euro für hunderte Kilometer....
Da verkneife ich mir das Trampen diesmal!
Musik dröhnt aus den Boxen und die Leute unterhalten sich im vollgestopften Bus: LOVE IT!

In diesem Sinne gibt’s jetzt erst mal ein Bad im Meer und eine Kokosnuss und dann geht’s auf Jobsuche! (in die Touri Hochburg Punta Cana! )

 

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Kommentare: 5
  • #1

    Elfi (Sonntag, 07 Mai 2017 21:15)

    Kopf hoch und weiter geht die wilde Reise. Du bist so weit gekommen! Vergiss das nicht!
    Ich drücke und knutsche Dich <3

  • #2

    Dorian (Sonntag, 07 Mai 2017 21:30)

    Das man Pech hat mit Menschen, ja ist jetzt arg runtergespielt, passiert nicht nur euch Frauen, viele Menschen sind einfach krank im Kopf und fühlen sich überlegen weil sie sich in der besseren Situation zu wissen glauben. Aber das gute, all der Scheiß der da draußen auf dich noch wartet, wird dich zu jemanden formen, von dem du nie gedacht hättest das er in dir schlummert.
    Viel viel Glück noch und du hast echt verdammt große Eier.

  • #3

    Bianca (Sonntag, 07 Mai 2017 22:14)

    Du bist sehr sehr mutig ..ich wünsche Dir alles gute weiterhin LG Bianca dein Tagebuch ist toll

  • #4

    Barbara Ringler (Montag, 08 Mai 2017 09:00)

    Hallo,

    ich lese immer gerne deine Reiseberichte, super cool, weiter so. Es erinnert mich an meine Jugend.
    A propos schlechte oder gute Erfahrungen.....das gibt es zu Hause auch.
    Wir leben zu Hause ähnlich, haben alles auf ein Minimum reduziert, leben einfach aber zufrieden und selbstbestimmt.
    Wünsche dir weiter super tolle Erlbnisse.
    Herzgrüsse Barbara

  • #5

    Knuth Löbig (Donnerstag, 25 Mai 2017 08:04)

    Schon lange nicht mehr so interessiert gelesen! Hoffe du schreibst deine Geschichte mal in der Form eines Buches! Eine gute Zeit dir...