Tag 18 - Gran Canaria- Katze im Hostel-Bett - Made my night!

Kaum zu glauben, dass ich grade mal 11 Tage auf der Insel bin.
Seit dem Zeitpunkt meiner Ankunft überschlugen sich die Ereignisse, sodass ich nicht mal zum Tagebuch schreiben kam.
In Barcelona wuchtete ich meinen viel zu schweren Rucksack durch die Stadt Richtung Flughafen.
Das brachte mich so zum schwitzen, dass ich mich selber riechen konnte. Ich guckte auf mein Ticket: „Fuck! Mittelplatz!“ Ich setzte mir meinen dicken Vogel auf den Schoß und presste meine Arme zusammen. „Bloß kein Gespräch anfangen...“, dachte ich mir….
„Ach, diese Sicherheitsanweisungen… wenn das Flugzeug überm Ozean abstürzt braucht man auch keine Schwimmweste mehr!“ Das war Dean, der plappernde Engländer zu meiner Rechten.
Zu meiner Linken saß ein spanischer Polizist der zwei Seiten meines Tagebuchs mit Gerichten füllte, welche ich auf den Kanaren unbedingt probieren sollte!
Ich trällerte meinem rundlichen Kumpe fröhlich ein„!Si! !Si! Clarooo Muchacho!“, entgegen, während ich mir mit knurrendem Bauch dachte „Junge, ich weiss nichtmal wo ich heute Nacht pennen soll….“

Ich traf die süße Chinesin Alibel im Bus, die mir von einem Hostel für 18€ erzählte. Ich hatte Ryan nicht erreichen können und selbst ein Hostel für 1,80€ wäre zu viel für mich gewesen, also erstmal auf das Schicksal Vertrauen. War ja erst 21 Uhr und ein paar zerquetschte – voranschreitende- Minuten.
Da traf ich Arnaut. Aber auch nur, weil der Busfahrer mich an der falschen Station raus gelassen hatte.
Er war betrunken genug mich für die Nacht in sein Apartment einzuladen und für mich war es überzeugend genug, dass er eine rote Hose trug. Männer mit bunten Hosen sind erfahrungsgemäß ungefährlich und haben meist sogar Humor und wenn man Glück hat sogar einen guten Musikgeschmack.
Letztendlich verbrachte ich fast eine Woche auf seiner Schlafcouch (wenn er wüsste, dass ich die erste Nacht mit Pfefferspray neben meinem Kopfkissen eingeschlafen war, wäre er sicherlich hochgradig empört...!) Aber wahrscheinlich könnte er darüber lachen, immerhin hatte er tatsächlich einen ausgeprägten Sinn für Humor (und munterte mich immer wieder auf, wenn der Rest der Stadt gegen mich zu sein schien).  

Wie im letzten Jahr hing ich meine „Looking-for-Boat-Schilder“ im Hafen auf, ein älteres Pärchen sah mich an und sagte ich hätte utopische Träume, aber immerhin sei ich ja schon mal bis nach Gran Canaria gekommen…. Ein anderes Pärchen redete solange davon wie schrecklich es ist seekrank zu sein, bis mir ganz schummerig wurde, weil sie einfach nicht aufhörten darüber zu reden wieee schrecklich es ist seekrank zu sein, und was sie schon für schlimme Geschichten gehört hatten und überhaupt und sowieso „seekrank“, „seekrankheit“, „seeeegeln“, „seekrank“.
„Danke, für den Hinweis!“
Ich traf auch einen älteren Herren aus Köln, der schon seit 7 Jahren versucht ein Boot zu finden, dass ihn mit in die Karibik nimmt, da es je sein großer Traum sei. Er wolle aber niemanden fragen und überhaupt, sei das ja sehr schwierig ein Boot zu bekommen, wenn man keine Segelerfahrungen hätte.
Ich lief den Hafen auf und ab, sprach allerhand Leute an und fragte, ob irgendjemand etwas wisse..

Drei Tage waren vergangen. Zwischenzeitlich hatte ich Ryan im Squat. Die meisten besetzten Häuser in der Stadt waren geschlossen worden, da in dem besetzten Hotel jemand vom Dach gesprungen war (zum Glück landete der Kerl in einer Palme, sonst wäre er jetzt nämlich tot, der Idiot), aber nun gibt es in der Stadt viel weniger junge Wilde. Letztes Jahr hatten sich die Reisenden im „La Bisicletta“ -besagtem Hotel- getroffen. Es gab eine große Küche mit containertem Essen, in der jeden Abend gekocht wurde, die Leute schliefen auf allen Etagen und ganz oben auf dem Dach gab es jeden Abend Musik, und Tanz und Lagerfeuer. Bis einer der Kerle vom Feuer aufgestanden und in die Palme gesprungen war. Das ist ja fast noch eine dümmere Aktion, als der deutsche Hippie der letztes Jahr auf der kleinen Insel La Palma nachm scheißen sein Klopapier verbrennen wollte und damit die halbe Insel abgefackelt hat…
Haha.. als sollte ich aufhören mich aufzuregen reibt grade ein schwarz-weißer Kater seinen hübschen Kopf an meinem Laptop. Er kam grade vom pinken Hochbett auf mein Himmelblaues rüber gesprungen und hat sich nun laut schnurrend neben mir zusammengerollt. Hanna und ich schlafen heute bei den Mädels im Hostel. Hier ist alles kunterbunt und es liegen Katzen im Bett! Großartig! Er rammt seine Krallen in meine Füße und zwingt mich noch lauter schnurrend ihn zu kraulen.

Wow! Gran Canaria ist so wunderschön! Haben ein paar Tagestouren gemacht, waren in den Bergen und am Meer (die Mädels wollten sich ihre Popöchen verbrennen, weil sie ja in den kalten berliner Winter zurück müssen). 
Wir sammelten saftig-süße Kaktusfeigen und genossen die frühlingshafte Luft. 

Dann musste ich langsam wieder nach Las Palmas, und fand mich plötzlich unterm Leutturm wieder und knibbelte nervös an meinen Fingernägeln....
Die Aida schob sich wie ein leuchtender Donnervogel an uns vorbei und die Stimmung war beklemmend. 
Hatte ich es Anfangs so schwer empfunden ein Boot zu finden, saß ich nun unsicher hierund wusste nicht, wie ich mit diesem Angebot umgehen sollte. 
Es ist doch mein Ziel zu beweisen, dass man sich auch mit wenig Geld "durchschlagen" kann, indem man arbeitet, recycelt und couchsurft.... und nun sollte ich plötzlich kostenlos in die Karibik segeln, nur weil ich ein "super süßes Mädel" bin, wie er sagte... 
Ich sagte ich bräuchte 24 Stunden Bedenkzeit. Mama brach in schallenders Gelächter aus, als ich ihr davon erzählte... "Der arme Kerl hat dann 4 Wochen nichts anderes zutun, als dir auf den Arsch zu glotzen und darüber nachzudenken, warum du ihn nicht willst- das würde ich mir ja nochmal überlegen Pia!" (sie hat grade Whatsapp für sich entdeckt, so bekam ich eine Sprachnachricht nach der anderen und sie hörte gar nicht mehr auf zu lachen!) 
Vielleicht hat sie recht. So muss ich wohl darauf vertrauen, dass ich ein anderes Boot finde. 

Außerdem brauche ich Cash! Wenigstens ein bisschen. Könnte mir auf "der anderen Seite" nichtmal ein Busticket leisten. Und ich habe noch so viele von meinen Postkarten.
Gestern kamen zwei Boote aus Korea an, die auch Leute mitnehmen... 
Wenn ich ganz ehrlich bin, fühle ich mich hier so wohl, dass ich gerne noch 2-3 Wochen hier bleiben würde.  Wir werden sehen... Haben gestern 2 deutsche Hippie-Jungs getroffen, die mit einer Gruppe zu einem abgelegenen Strand trampen will, zu dem man vom Ende der Straße nochmal 3 Stunden wandert. Es soll da traumhaft schön sein und Hanna ist ja noch bis Montag hier.....

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Kommentare: 1
  • #1

    alexander (Mittwoch, 19 April 2017 09:30)

    mensch, toll was du da machst ! voll richtig ! die wenigsten menschen trauen sich das zu, und du gehst da mit mut und entschlossenheit deinen weg... ich bin sehr viel auch gereist, eigentlich immer mit meiner geige unterm arm umd konnte so mein nötiges kleingeld mir verdienen. war mal 3 moanatea fu tenerifa und gomera. und nun bin ich yogalehrer und musiker geworden weil ich an meine träume fest geglaubt habe. also ich reise und mache retreats und ich reise und mache musik ! selbständig, ohne chef und und eigenem zeitmanagement. einige orte auf den fotos habe ich erkannt, zum beispiel puerto de mogan wo ich 5 jahre lang eine yogareise hin gemacht hatte bis mir der tourismus auch dort so sehr auf die nerven ging daß ich seit diesem jahr oben in den bergen bei soria bin... traumhaft dort oben. wenn du magst schau auch mal auf meine yoga webseite: www.yogalex.de ´demnächst reise ich nach malta wo ich draußen wohnen werde auf der nachbarinsel gozo, dann straßenmusik und 2 konzerte in bars habe. und im oktober ist meine nächste yogareise in portugal an der algarve. wenn du mir mal direkt schreiben magst dann kannst du das gerne tun, ich bin sehr gespannt wie es bei dir weiter geht: aleandermeyen@yahoo.de z.z. lebe ich in köln wo ich auch meine feste basis habe mit yogakursen und bands. aber reisen... das ist meine beständige sehnsucht, und es zieht mich immer wie die lämminge zum meer ! so, nun sein herzlich gegrüßt, ich fühle mich mit dir inenrlich verbunden wo auch immer du dich gerade befindest, ALEXANDER